19.04.2021

Anfrage

Wann kniet man beim "Agnus dei"?

Wann ist liturgisch gesehen der richtige Zeitpunkt für die Gläubigen, sich hinzuknien? Schon bei den ersten Worten „Lamm Gottes“ oder erst, wenn das dritte „Agnus Dei“ verklungen ist? Letzteres habe ich so kennengelernt. Andreas Bieligk, 39356 Siestedt

Bei solchen Fragen schaue ich immer als Erstes ins Messbuch. Dort stehen nicht nur die Texte der Messfeier, sondern auch die Rubriken, sozusagen die Regieanweisungen. Hier findet sich allerdings zum Knien nichts. Das Messbuch gilt weltweit, und in vielen Ländern wird nicht gekniet. Dort hält man es mit der altkirchlichen Tradition, dass Stehen die Gebetshaltung der Christen ist.

Der zweite Blick geht ins Gotteslob, dort wird die Messfeier unter Berücksichtigung der deutschen Gepflogenheiten beschrieben. Hier heißt es: „Alle stehen. Wo es üblich ist, knien die Gläubigen nach dem ‚Heilig‘ nieder, ggf. knien sie nur zu den Einsetzungsworten.“ (GL 588,1) Blättert man weiter zum „Lamm Gottes“ (589,8) findet man nichts mehr vom Knien, weder vor dem ersten noch nach dem dritten „Lamm Gottes“. 

Womit die erste Antwort auf Ihre Frage ist: Eine feste Regel, ein klares „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es nicht, vieles ist Gemeindetradition. Wenn Sie mich aber fragen, was liturgisch logisch ist, würde ich auf den Aufbau der Messfeier verweisen. Den kann man auch im Gotteslob erkennen. Dort beendet das „Lamm Gottes“ die Nummer 589 (mit den Abschnitten 1–9). Danach beginnt unter der Nummer 590 der Kommunionteil (590,1–6).

Wenn man dem folgt, ist das Knien an dieser Stelle, also nach Abschluss des Lamm Gottes, logisch. Denn hier soll zunächst ein stilles Gebet zur Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion erfolgen. Äußerlich erkennbar wird das an der Kniebeuge des Priesters; dem würde das Knien der Gemeinde entsprechen. Sodann erfolgt die ausdrückliche Einladung zur Kommunion (P: „Seht, das Lamm Gottes ...“ A: „Herr, ich bin nicht würdig ...) – und die eigentliche Kommunion beginnt, zu der die Gemeinde sich wieder erhebt.

Fazit: Es gibt keine vorgeschriebene Regel. Aber meiner Erfahrung nach wird es in den meisten Gemeinden so gemacht, wie Sie es gelernt haben. Wäre auch logisch.

Susanne Haverkamp